Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums gymnasialer Ausbildung in Malchow fand vom 14.06 bis 18.06.2001 auf dem Gelände des Fleesensee-Gymnasiums eine Festwoche der besonderen Art statt. Mit vielfältigen kulturellen und sportlichen Darbietungen gaben Schüler und Lehrer Einblick in die Arbeit an ihrer Bildungseinrichtung.
Eine rege Teilnahme von Eltern, zukünftigen Gymnasiasten, Einwohnern und Vertretern des öffentlichen Lebens (nicht nur aus Malchow) an den verschiedensten Veranstaltungen dokumentierten das große Interesse für diese Ausbildungsstätte.
Neben Theateraufführungen, einem Literaturwettbewerb, künstlerischen Schülerarbeiten und einer Ausstellung zur Chronologie des noch relativ jungen Hauses war ein Tag dem Sport gewidmet, an dem sich Jung und Alt aktiv beteiligen konnten. So organisierten die 12. Klassen “Fun”-Staffeln, bei denen die jüngsten Mädchen und Jungen unter anderem beim Gummistiefelweitwurf ihren Spaß hatten. Die Klassen 7 bis 12 hatten die Möglichkeit, sich bei Volleyball- und Handballturnieren zu beweisen.
Viel Nachfrage hatten die Footballer aus Wredenhagen, die unter professioneller Anleitung eine Station “Flagfootball” für Interessierte betreuten und viele Schüler für ihren Sport begeistern konnten.
Größter Beliebtheit erfreute sich natürlich der Fußball. Hierzu waren Mannschaften aus den Gymnasien Torgelow und Quickborn angereist. Die Gastgeber aus Malchow konnten aber überzeugen und belegten in allen Altersgruppen den ersten Platz.
Besonderen Ehrgeiz entwickelte die Mannschaft “Lehrer-Oldstars” bei Spielen gegen die10. und 11. Klassen, mussten aber “schmerzliche” Niederlagen einstecken. Beim Schülerfest, das den Tag gebührend krönte, sah man dann aber Lehrende und Lernende versöhnlich auf der Tanzfläche ihre Kreise drehen.
Was hatte es aber mit der Kuchenstaffel auf sich? Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums sollten Schüler und Lehrer einen 10-Km-Staffellauf absolvieren. Anfängliche Skepsis, mindestens einhundert Läufer zusammenzubringen, erwies sich aber schnell als unberechtigt.
Lag es daran, dass jedem Läufer ein Stück Kuchen in Aussicht gestellt wurde? Die dem Anlass visuell entsprechend gestaltete Marzipantorte stiftete die Bäckerei Vollbrecht. Letztendlich begaben sich nach dem Malchower Bürgermeister Herr Stein, der dem Schulleiter des Fleesensee-Gymnasiums, Herrn Hoepcker, nach 100m symbolisch den Staffelstab übergab, 263 Aktive auf die Aschenbahn und eröffneten den Sporttag.
Dieser Jubiläums-Staffellauf sollte aber nicht nur dem “kulinarischen” Selbstzweck dienen, sondern auch Gelegenheit bieten, die Stadt Malchow und ihr Gymnasium an der “Aktion Lebensläufe” zu beteiligen. Diese Aktion der Deutschen Welthungerhilfe unter dem Motto “Solidarität macht Spaß” sammelt Geld für notleidende Kinder. Die Teilnehmer an dieser Aktion werden von Eltern, Verwandten, Freunden und Geschäftsleuten unterstützt, die den sportlichen Einsatz mit “Kilometergeld” honorieren. Neben der Startgebühr von 1,-DM fanden sich viele engagierte Malchower, die diese “Kuchenstaffel” des Fleesensee-Gymnasiums finanziell unterstützten.
Am Ende der absolvierten 13,2 Kilometer konnten die “kuchenessenden” Läufer voller Stolz einen Scheck von 1213,-DM an die Deutsche Welthungerhilfe übergeben, und man war sich einig, dass es manchmal ganz einfach sein kann, Angenehmes mit Nützlichem zu verbinden und über den “Malchower Tellerrand” zu blicken.
Für die finanzielle Unterstützung möchten sich alle Teilnehmer recht herzlich bei:
den Stadtwerken Malchow, der Apotheke Köhn, der Hubertus-Apotheke Schadow, der Müritz-Sparkasse, der Raiffeisenbank, EDEKA, dem VW-Autohaus Malchow, Autoteile Pagel, der Werle-Drogerie Bernardi, dem Inselfriseur Henriette, Janny`s Eis Malchow, der Warsteiner Tulpe, der Blumeninsel, der Boutique “New Age”, Fahrrad “Schulze”, Family Malchow, Sport S+E, Priti´s Pizza Hut, “Handwerkskunst aus aller Welt”, Fr. G. Nath und den vielen Eltern, Verwandten, Schülern und Lehrern bedanken.
Über weitere 882,-DM, die während der anderen Veranstaltungen eingenommen wurden, können sich derzeit Kinder aus Tschernobyl freuen, denen somit ein Ferienaufenthalt an der Mecklenburger Seenplatte mitfinanziert werden konnte. Eins ist jedenfalls jetzt schon sicher: Die Schüler, Lehrer und Malchower freuen sich schon jetzt auf das nächste Jubiläum ihres Fleesensee-Gymnasiums.
Nachtrag 2008: Das Fleesensee-Gymnasium gibt es in seiner Form nicht mehr. Im Zuge bildungspolitischer Maßnahmen wurde das einstige Gymnasium in eine Kooperative Gesamtschule mit gymnasialer Bildungsstufe umstrukturiert. So gelang es einer Schließung des Gymnasiums aus dem Weg zu gehen.
Zwei Schilder, die zur Schlammschlacht verleiten!?
Der Gymnasial-Lehrer A. Berg hat bereits drei Hunde adoptiert. Jetzt kommen Melissa (links.) und Fritz nur noch zu Besuch mit ihm ins Malchower Tierheim. Über 100 Tiere leben heute hier. 1997 wurde es als eine Tierauffangstation gegründet. FOTO: J, Wienß
Glaubt man denn ernsthaft, dass irgendjemand in Malchow daran interessiert ist, dass der Kurpark, der erst noch einer werden will (!), wirklich zu einem Hunde-”Bombodrom” verkommt? Aber kaum fertig gestellt, sorgen zwei Schilder, die den geliebten Vierbeinern (nur Hunden!) den Zutritt verbieten, für Ärger. Es ist offensichtlich, worum es der Stadt dabei geht: Nein; niemand (auch wir Hundebesitzer) tritt gern, in einen Hundehaufen. Geht es da, nicht eigentlich nur um eine Frage der gegenseitigen Rücksichtnahme?
Auch wenn das einstige „Niemandsland” die ideale Hundetoilette war, sollte man doch den Hundebesitzern zutrauen, darauf achten zu können, dass sich ihre Lieblinge ein neues “stilles Örtchen” suchen; was natürlich bei Gewohnheitstieren nicht so einfach ist. Aber angeleint dürfte das wohl kein Problem sein und so sehe ich das Verbot, mit meinen Hunden durch das “Kurpärkchen”? zu gehen, eher als Diskriminierung an.
Vielmehr stelle ich mir ernsthaft die Frage, ob die Schilder nicht etwa von den 80 Euro Hundesteuern, die ich der Stadt jährlich zukommen lasse, finanziert werden. Wenn ja, wäre das ein fatales Eigentor. Aber wenn es unbedingt Schilder sein müssen… warum dann nicht mit der Aufschrift: “Bitte haltet Malchow sauber!” Dann lesen das vielleicht auch die „Nichthundebesitzer”, die für die Scherben verantwortlich sind, die meinen Hunden im letzten Jahr arge Schnittwunden zugeführt haben und mich zusätzliche 47 Euro Arztgebühren kosteten.
Also Hundebesitzer und Ordnungsfanatiker lasst uns einfach gemeinsam ohne viel Bürokratie und Schilderwälder für Sauberkeit in Mecklenburgs „Seenperle” sorgen!!!
erschienen in der Leserpost “Hallo Nachbar” vom 19.01.2005
Nachtrag:
Die Schilder stehen noch. Die Gemüter haben sich nach heftigen öffentlichen Beschimpfungen etwas beruhigt. Der Kurpark ist ein Fleck Natur im Niemandsland, dass auf weitere Bauprojekte (neue Klinik?) wartet.
Die Leute, die Dobermänner als gefährliche Kampfhunde abtun, die Straßenseite wechseln und ein Hundehalter, der mir sogar eine Morddrohung nach einem kurzen “Gerangel” zwischen Fritz und seinem Hund machte, schlafen wieder ruhiger, denn…
Fritz musste leider am 23.08. 2007 eingeschläfert werden. Die Schmerzen, die das Wobbler Syndrom verursachten, waren zu groß und ich musste mit schwerem Herzen die Fahrt zu Dr. Nietz in Waren antreten. Es dauerte nur eine kurze Zeit, bis er nach einer Injektion für immer in meinen Händen einschlief. Aber er war so ein toller Schmusedobi, der uns oft zum Lachen gebracht hat, dass er seinen Platz im Hundehimmel gefunden hat, nachdem wir noch 3 tolle Jahre hatten.
Melissa, mit der ich seit 2000 regelmäßig vom Tierheim aus spazieren ging und die seit 2003 bei mir wohnt, hat den Racker schnell vergessen. Sie fühlt sich wohl und genießt die alleinige Aufmerksamkeit.
Wer braucht die Navigation – die Erde ist doch keine Scheibe!

Will man Griechenland abseits der Touristenpfade erkunden, bieten einem die zahlreichen Autovermieter bereits am Flughafen die ganze Palette an Vehikeln, die man von den heimischen Straßen her kennt. Um schnell seine Schlüssel ausgehändigt zu bekommen, ist es von Vorteil, bereits in Deutschland sein Wunschgefährt zu buchen. Das ist auch deshalb ratsam, falls man doch einmal in eine Situation kommen sollte, in der einem nur noch eine Versicherung vor einem finanziellen Fiasko retten kann.
Ich muss gestehen, dass es einiger Aufenthalte bedurfte, um den Mut zu fassen, mich selbst hinter das Steuer zu setzen. Die erste und wichtigste Regel, die mir meine griechischen Freunde beibrachten, war beim Fahren immer ganz stur gerade aus zu sehen. Das gilt natürlich nicht beim Einparken!!! Aber es stimmt, da scheinbar alle Verkehrsteilnehmer zwischen Athen und Thessaloniki den starren Blick nach vorn gerichtet haben, erschleicht einen das sichere Gefühl, dass der Hintermann schon aufpasst, damit meinem Heck nichts passiert.Über die Jahre waren die Götter mit mir, ich trug also nicht zur erschreckenden Unfallstatistik bei. Besonders in den Bergen zeugen die am Straßenrand aufgestellten Panajias von den vielen tödlich Verunglückten. Hauptursachen sind allerdings das Fahren unter Alkoholeinfluss, technische Mängel an den Fahrzeugen und die Selbstüberschätzung. Ein Freund meinte mal etwas ironisch: “Gestern noch auf dem Esel geritten und heute mit dem Benz in den Straßengraben geglitten.“
Mir persönlich fiel aber über die Jahre auf, dass das Sicherheitsbewusstsein gerade der Zweiradfahrer zugenommen hat, die immer öfter mit Sturzhelmen anzutreffen sind. Das scheint ihnen aber besonders in Athen das Gefühl zu geben unsterblich zu sein und so kommt man sich gerade in den abendlichen Stunden vor wie bei den Dreharbeiten für eine Fortsetzung von „The Fast and the Furious“. Den griechischen Straßenbauern muss man allerdings ein Kompliment machen, denn was seit den Olympischen Spielen an Autobahnen und Fernstraßen ausgebaut wurde, kann sich qualitativ sehen lassen. Wer sich also für eine Reise per Leihwagen entscheidet, wird keine Probleme haben, die Reiseführersehenswürdigkeiten auf diese Weise zu erkunden. Regel Nummer Zwei meiner griechischen Freunde war: Vergewissere dich, ob du ein Ersatzrad im Kofferraum hast! Will man etwas abseits der Touristenpfade wandeln, kann es passieren, dass die eben noch vierspurig ausgebaute Fernverkehrsstraße in einen steinigen und von Schafen bevölkerten Feldweg mündet, dem nicht selten Reifen zum Opfer fallen. Je nach Gegend entschied ich mich besonders in den Bergen für etwas höher gelegte Allradfahrzeuge oder Mopeds.
Die dritte Regel, einen aktuellen Straßenatlas im Gepäck zu haben, verkürzte die Zeit, die ich bei der Suche nach Zielorten benötigte nur unwesentlich. Auch wenn die Verkehrsschilder größtenteils zweisprachig sind, versuche ich immer noch hinter das System ihrer so emsigen Aufsteller zu kommen. Nicht selten kommt man an eine T-Kreuzung an der das gewünschte Ziel über das Abbiegen in beide Richtungen zu erreichen ist. In etwas abgelegenen Gegenden versuchen einem Verkehrsgraffitis der Einheimischen den Weg zu weisen, was manchmal an einem idyllischen Strand oder einer Mülldeponie enden kann. Aber auf diese Art der Navigation erschlossen sich mir auch schon Orte, die trotz zugegebener Wutanfälle über die chaotischen Straßenführungen einzigartig und faszinierend waren und in keinem Reiseführer erwähnt werden. Und ist es nicht gerade dieser Reiz, der uns auch im Urlaub auf organisierte Bustrips verzichten lässt? Wenn ich dann auf der Motorhaube sitzend mit einem Glas Uoso den Sonnenuntergang auf mich wirken lasse, werde ich mir darüber bewusst, das die Griechen nun mal große Seefahrer waren, heute zu den mächtigsten Seereedern gehören. Sie haben anscheinend immer den heimatlichen Hafen wiedergefunden. Wenn die Erde also keine Scheibe ist, ist es doch egal, in welche Richtung man abbiegt…irgendwann kommt man an, wohin einen die Reise bringen will.
Mehr in: “Griechische Geschicht-chen” von B. Tembridis unter www.blurb.com
Brillante Bilder und Bekannte am Buffet
Perfekt, dachte er… einige Dinge ändern sich eben nie. Doch langsam musste er sich auf den Weg machen, wollte er es noch rechtzeitig zur Eröffnung des Buffets schaffen. Er? Wir wollen ihn den „Bekannten Unbekannten“ mit der Spürnase für öffentliche Events mit anschließender Verköstigung nennen. Heute hat der DVF ins Charlottenburger Rathaus geladen, um im würdigen Ambiente die Preisträger ihres Themenwettbewerbes zu küren. Gute Gelegenheit, mal vorbeizuschauen und Kultur und Gaumenfreuden zu verbinden. Diese Art von Veranstaltung gefällt ihm, da ähnlich wie an den Universitäten, kaum auf eine Gästeliste geschaut wird. Probleme gibt es da schon eher bei den Medien- und Fashionevents, wo vorher peinlichst gecasted wird und durchtrainierte Herren in knappen Anzügen darauf achten, dass Leute wie der „Bekannte Unbekannte“ nicht zu nahe an den roten Teppich gelangen. Da war das heute ein Solo-Heimspiel, denn sein Partner, den man von früher her kannte, war nicht von der Partie.
Als er langsam und mit etwas Mühe die schwere Eingangstür des Charlottenburger Bürgervertreterhauses in die Vorhalle drückt, ist er erleichtert, als er das Stimmenwirrwarr aus dem ersten Stock vernimmt. Es findet tatsächlich etwas statt. Zufrieden und mit sich im Einklang nimmt er, bedächtig Stufe für Stufe mitzählend, seine Pirsch nach dem Buffet im ersten Stock auf. Gerade als er den letzten Treppeabsatz erreicht hat, beginnt eine Zweimannband Altberliner Weisen vorzutragen und bringt schon nach den ersten Versen die angereiste Fotografengemeinschaft zum Schmunzeln. Da es keine Stühle zu scheinen gibt und die einzige Bank am Ende des Flurs durch einen abgelegten Irish Setter bewacht wird, entscheidet er sich gegen die diagonale Pirsch durch den Gästeblock. Ein älterer Herr mit einem Gehstock hält sich tapfer an der Wand lehnend und kommt nur ab und an ins Straucheln, wenn er seinen Balancespender kräftig applaudierend auf den Steinfußboden hämmert.
Der Sänger, der als echter Icke mit dem Herzen auf der Zunge als „Be Berlin“ – Botschafter fungiert, macht seine Sache gut und somit verschmerzen die Organisatoren, dass die eigentlich gebuchte New Age Pop Combo in letzter Minute abgesagt hat. Wen stört es, soll es doch um die visuelle Kunst gehen. Lange kann es nun nicht mehr dauern, bis von offizieller Seite an das Buffet gebeten wird, denkt er, zumal der Ersatzredner erst während der Zugfahrt per Handy über die Ehre einer kurz zu haltenden Rede informiert wurde. Die Mitglieder des Vorstandes hatten an diesem grauen Samstag den Weg in die Hauptstadt nicht gefunden. Spontan und unkompliziert, mit etwas Witz und mitschwingendem Sarkasmus ob der Organisation und Würdigung dieser Veranstaltung im Jahr 100 des DVF schallen die lockeren Reden durch die Flure des altehrwürdigen Steingemäuers. Der Höhepunkt naht, die Sieger des Wettbewerbes „Leben in Deutschland“ erhalten ihre Urkunden und Medaillen.
Sonst immer hinter der Kamera, zeigen sich die Finalisten aus 225 eingesendeten Fotos etwas scheu beim Gruppenfoto und so fallen ihnen und dem “Bekannten Unbekannten“ Steine von der Seele, als endlich das Buffet eröffnet wird. Ein Blick auf die zusammengestellten Tische verrät ihm, dass wohl schon vor dem offiziellen Akt genascht wurde. Aber der Kaffee ist noch warm und der hoch gelobte Baumkuchen rundet die Sache gegen 11:47 Uhr perfekt ab. Für die Fotos hat er jetzt weder Auge noch Platz, da es sich die Kritiker vor den Stehwänden zu Fachdiskussionen mit Chips und Rotwein gemütlich gemacht haben. Sein Adlerauge erspäht einen Platz auf der Holzbank unter dem kollosalen Ölgemälde. Auf seinem Weg passiert er die Tür der Bürgermeisterin und als er das Namensschild der Sekretärin erblickt, wundert er sich nicht, weshalb es etwas Glück braucht, um ihre Heiligkeit zu erreichen.
Vorbei gleitend an einer Reihe schwarz weißer „Deutschlandalltags“-Fotos lässt er sich etwas erschöpft am Ende der Bank nieder. Zufrieden beobachtet er das Treiben und beißt gemütlich in den zu hellen Baumkuchen, die Zeiten haben sich geändert. Passend dazu das Motto des Fotowettbewerbs „Leben in Deutschland“. Nein, er war kein Fotograf, hatte früher mal geknipst, wenn er im Urlaub war. Aber er hatte seine eigenen Bilder vor Augen: Potsdamer Platz, Fußball WM, Kreuzberger Multi Kulti Szene, überfüllte Arbeitsämter, Oktoberfestentgleisungen, NPD Aufmärsche, FKK am Ostseestrand und den Nachbarn mit seinem Jack Russel Terrier, Rippunterhemd, Jogginghosen, graue Socken in Sandalen.
Nach der zweiten Tasse Kaffee wird er aber doch neugierig, was die Pofis in ihren Dunkelkammern zum “Leben in Deutschland” erweckt haben. Mit einem leichten Seufzer erhebt er sich von seiner Holzbank und beginnt seinen kulturellen Rundgang. Tolle Interpretationen des Themas. Es muss aber auch schwer gewesen sein, sich auf eine Sequenz zu minimieren. Toll, der dunkelhäutige Müllmann mit der neonfarbenen Weste, die bunten Punks auf grauer Wiese, die junge Frau am jüdischen Denkmaloder der Müll-Junkie vor der Oper. Viele Motive ähneln seinen Ideen und so kommt er an ein Bild, was mit Silber prämiert wurde. Unscharfe Menschen eilen in einem ehrwürdigen Gebäude Treppen hinauf oder hinab…ein „Kommen und Gehen“ von Franz-Rudolf Klos. Behördengänger? Warum aber die Unschärfe? Wollten die Leute anonym bleiben? Aber irgendwie machte das das Bild auch wieder interessant.
Ein paar Meter weiter das Bild von Uwe Müller, dem Bronze zugesprochen worden war. Einige Leute stehen still betrachtend vor dem schlichten Rahmen. Plötzlich ist man sich nicht mehr einig, ob es ein Orchester sein soll, oder Computerfreaks vor Monitoren. Der Fotograf selber kann aufklären. Er hatte das Bild bei der Expo gemacht, wo Zuschauer die Möglichkeit hatten, an aufgestellten Pcs ihre Wege durch die vernetzte Welt zu finden. Da es die Zeit der Diskussion um indische IT Spezialisten war, nannte er es „Green Card“. Schmunzeln musste der „Unbekannte Bekannte“, als jemand in der Runde überzeugt meinte, Inder vor den Quadraten zu sehen. Man mag es ihr nicht verübeln, da das Foto durch seine Reflektion nicht durch Schärfe brillierte.
Hatte er nicht auf der Rückseite der Stehwand noch ein Bild des gleichen Fotografen gesehen, das ihm plötzlich viel passender für eine Medaille erscheint. Ja natürlich, es waren die beiden älteren Ladies, die vom Einkauf kommend mitten auf dem Kopfsteinpflaster in eine Diskussion vertieft waren. Zu plakativ, naiv? Noch ehe er sich seine Gedanken darüber machen kann, steht er vor dem Siegerfoto von Volker Frenzel „Warten“. Na warte mal einen Moment, denkt er sich… hatte er so ein Bild nicht schon einmal von Helmut O. Fischer auf der Bundesfotoschau gesehen?! Egal, er wird jetzt nichts unterstellen wollen. Aber hinter dem Motto konnte er die Bewertung nicht verstehen. Das Bild natürlich handwerklich brillant, aber bei einem anderen Motto vielleicht…“Formen der Einsamkeit“. Außerdem hätte die abgelichtete U-Bahnstation auch London, Prag oder New York repräsentieren können.
Da fand er das abgelichtete Namensschild eines Mehrparteienhauses aussagekräftiger. Künstlerisch vielleicht nicht ganz so überzeugend, dafür zeigt es das interkulturelle Zusammenleben in Deutschland auf eine simple und anschauliche Weise. Aber was weiß er schon von Kunst! Liegt ja immer im Auge des Betrachters. Dafür ist der Baumkuchen gar nicht so schlecht, wie es anfänglich schien.
Die meisten Gäste machen sich fertig zum Aufbruch, als er sich ohne Eile noch ein Stück Baumkuchen holt, es sich neben der Frau mit dem Setter gemütlich macht und zufrieden die illustre Gruppe beim Abgang beobachtet. Er hatte bescheiden abgelehnt, als ihn eine der Offiziellen fragte, ob er am anschließenden Mittagessen teilnehmen wolle. Bezahlen müsse man leider selber. Tja, einige Dinge sollten sich nie ändern.
Der “Bekante Unbekannte” ist natürlich eine frei erfundene Person des Verfassers:).
Die Siegerbilder findet man hier
Be what you want – but be Berlin!
Ein Berliner Osterspaziergang
Kaum hat es die Sonne geschafft durch die grauen Frühlingswolken zu brechen, sprudelt Leben in die ohnehin schon hektische Hauptstadt. Jetzt heißt es wieder zeigen, was man über die raue Jahreszeit verbergen musste. Mit breitem Lächeln kann man der Welt beim Joggen mit dem Zwillingswagen zeigen, wie gut es einem doch am Osterwochenende geht, wenn der Rest der südländischen Rucksacktouristen die Feiertage in der schwäbischen Heimat verbringt. Endlich hat man nach bereits zwölf Minuten einen Parkplatz gefunden und braucht die Außenspiegel nicht einzuklappen, für den Fall, dass ein alter Benz mit Böblinger Nummernschild die Parklücke mit der sonst so gewohnten Scheunentür verwechselt. Es ist einfach erfrischend mit seinem Hund durch die Friedrichshaine zu wandeln und den MIB bei der morgendlichen Tai Chi Übung zuzusehen. Unspektakulär das Farbenspiel ihrer Kleidung, synchron ihre Bewegungen, wichtig ihre Mimik und geschlossen ihr Abgang. Mit einem Blaufilter könnte man sich lauter kleine Maos vorstellen, die in Zeitlupe über das Tibetproblem philosophieren. Aber der Berliner verbündet sich mit dem Bergvolk durch stillen aber bestimmten Protest. Tibetwimpel an Fahrrädern, Tibetfähnchen an Balkonbrüstungen und Schlafzimmerfenstern und natürlich Schnellaufkleber an den Laternenpfählen.
Ja, wir sind eine Weltstadt und nehmen Teil an der globalen Berg- und Talfahrt. Wir versuchen der kleinen Vietnamesin im Eckladen ein Lächeln mit der Frage nach dem Preis für ein paar Sonnenstrahlen zu entlocken und erhalten den gefrierlächelnden Hinweis, dass noch 25 Cent für die Dose Hundefutter fehlen. Warum sind es immer die Zahlen, die man in einer Fremdsprache als erstes lernt, bevor einen die Grammatik zum Bau eines Satzes in den Wahnsinn treibt? Genau so ergeht es allabendlich dem studentischen Kassierer an der Kasse des “Bötzow-Cinemas“, wenn er von höheren Semestern prädikat-amputierte Bestellungen wie: „Ein Becks, ne Cola, ‘n mittleres Popcorn bitte.“ entgegennehmen muss. Mit wichtig runzelnder Stirn unterstreicht er seine Bestürzung und fordert hochdeutsch zur Ganzsatzbestellung auf, da er sonst wirklich keine Schwingungen empfangen könne. Nein, ein höfliches “Bitte“ an das Satzende geklemmt reicht nicht aus in einer intellektuell – zivilisierten Stadt wie Berlin.
Wie tief man mit der dieser Stadt, seinem Kiez, seiner Szene wirklich verwurzelt ist, widerspiegelt heute nicht mehr der gute alte Zilledialekt, sondern die Biermarke, die man ab spätestens 15:30 Uhr ganz gesellschaftsfähig locker zwischen Zeige- und Mittelfinger tragend Mitpassanten präsentiert. Jever für die nordisch Herben, Tannenzäpfl für die südlich Orthodoxen, Becks für die bereits halbwegs Integrierten, Sól für die Multi-Kultis, Staropramen für ehemalige Teilnehmer des Prager Frühlings im U Flekú und Berliner Kindl für Besucher aus Hellersdorf/Marzahn. Wer an der Supermarktkasse Pech mit seiner ID hatte, poliert sein Image mit dem “Eierschalensound” seines Walkman Handys auf, das lässig an der Red Bull Strippe baumelt und aller Welt demonstriert, wie wenig wir den Aggro Rap aus den Außenbezirken brauchen.
Aggressiv werden nur die Hundebesitzer, die mindestens einmal pro Monat ihre Lieblinge in die Tierarztpraxis bringen müssen, weil ihnen Bierflaschenscherben die Pfoten aufgeschnitten haben. Aber was ist das schon gegen die ruinierten 139,- € teuren Lauf-Nikes die sich Tag für Tag energisch ihren Weg durch den Stadtpark bahnen und es nicht immer schaffen, den vergessenen und übel riechenden Brownies auszuweichen. Halbtagsmütter haben zumindest das Glück, ab 09:30 Uhr ihren Frust darüber im Eck-Steh-Café abzulassen und weiche Knie zu bekommen, wenn einer der ganz wichtigen deutschen VIP’s auf einen “Coffe to Go“ reinschneit. Und wenn nicht, ist es auch nicht weiter schlimm, denn irgendwie ist man ja Teil dieser ganz wichtigen Szene, was durch dieses permanente “Mir geht’s so gut“ – Lächeln manifestiert werden muss, als hätte ihnen der münchner Botoxpsychologe der Familie die Mundwinkel beidseitig an die Ohrläppchen getackert.
Die etwas ökologischere Yuppie-Variante hingegen parkt die Kombi E-Klasse um die Ecke, geht in der LPG einkaufen und holt anschließend harmonisch lächelnd die Kinder bei Waldorfs ab, um bei D&G die neue Kids Collection abzuchecken. Die ganz kreativen Denker und Künstler besetzen bereits die Außenterrassen der Kollwitz Cafés. Sie lesen Kafka oder Böll schon um halb zehn oder scannen parallel durch TAZ und Süddeutsche bei den elegant gekleideten Hauptstadtbesuchern am Nebentisch. Die Rastalocken flüchtig zusammengebunden steht eine etwa 50 jährige Mutter mit Känguru-Beutel-Kind an der Safttheke. Den frischgepressten Litschi-Mango-Saft genießend, erklärt sie der noch nicht ganz wachen Bedienung ihre spacigen Designs für ein neues Kitaprojekt und streift sich dabei im 10 Sekundentakt mit den noch Farbrestsommersprossen übersähten Händen über Stirn und gepiercte Nasenflügel.
Gelegentlich macht man sich, für alle sichtbar, Notizen und Schnellskizzen auf recyceltem Papier in abgegriffene “Dritte Welt” – Heftchen und grüßt relaxed die Bretzelverkäufer, die nach einer langen Clubnacht auf dem Nachhauseweg oder zum Pflichtbesuch bei den Agenten für Arbeit sind. Man kennt sich, man sieht sich, man liebt sich, man ignoriert sich… .
Egal, wie schräg du in dieser Stadt bist, hier versucht jeder schräger zu sein…eben “be“? Soll vielleicht heißen “besonders extravagant“, “bloß einsam“ oder “bombastisch extrem“. Man wird sich schon etwas dabei gedacht haben, diesen kunterbunten Haufen dazu aufzufordern, einfach nur zu “sein“…aber wennschon, dann “ Be Berlin!“.
Dann ist Ostern auch schon wieder vorbei, der nette Großstadtranger aus Hamburg, der endlich sein B-Kennzeichen nebst Umweltplakette an seinen Hummer montieren lassen hat, belegt heute wieder meine Parknische + Radweg, die schwäbischen Esoteriker haben ihre Apfellogo Laptops im Paterreschaufenster ihres Projektbüros hochgefahren, machen bereits Brainstorming mit anschließendem Troubleshooting, um den Workflow bei einer gemeinsamen Bionade voranzutreiben und die Halbmarathonmütter schlürfen easter-news-flashend ihren Cappuccino mit Mineralwasser. Ich genehmige mir ein Tannenzäpfl, das mir meine Obermieterin aus der Heimat mitgebracht hat. Cheers and just be Berlin!
Der Mensch ist wie er weiterzieht

++Sonntag++14:30++sonniger Nachmittag++ Friedrichshain++Berlin++
Es könnten südländische Verhältnisse sein. Leute treffen sich unter freiem Himmel, genießen die Restwärme des Tages, spielen Volleyball, Kinder jagen über die Wiesen, Hunde markieren schnuppernd ihr Revier, bunt gekleidete Musiker trommeln auf Kongas, ein Duft von gegrillten Bratwürsten liegt in der Luft. So das Szenario am Nachmittag, als alles begonnen haben muss.
++Sonntag++23.50++lauer Abend++Friedrichshain++Berlin++
Mittlerweile kämpfen sich drei Feuerwehrwagen mit Blaulicht durch die engen Zufahrtswege und ein grün/weißer Corsa demonstriert Kraft strotzend die Staatsgewalt. Von außen wirkt der Park zwischen Bötzow-Viertel und SEZ wie ein libanesischer Kampfschauplatz. Meterhohe Feuer erhellen die Nacht über Berlin. Gröhlend zerbersten Flaschen, entleeren sich Schatten entlang der Joggingmeile, schrecken Technoklänge den Reiher in seinem Weiher und frischt der Geruch von verbranntem PVC bei meinem Hund die traumatische Erinnerung an letztes Silvester auf, der nun mit eingezogenem Schwanz nachhause drängt.

++Montag++8:15++verschlafener Morgen++ Friedrichshain++Berlin++
Es ist wieder Ruhe eingekehrt im Park. Die ersten Sportfreaks ziehen unbeeindruckt ihre Runden. Jetzt erst erkennt man die Ausmaße der letzten Nacht. Wäre nicht traumhaftes Frühlingswetter, könnte man mit einem plötzlichem Wintereinbruch gerechnet haben. Aus der Ferne bedecken die Picknickabfälle wie eine schmutzig-weiße Schneedecke die Wiesen. Flaschensammler haben heute einen Glückstag, denn im Scherbenmeer fischen sie noch einige intakte Flaschen heraus. Umgekippte Abfallcontainer offenbaren gähnend den Grund für die brennenden Barrikaden der Nacht. Plaste und Elaste, Essenreste, Badmindtonschläger, Papiergeschirr und komplette Grillsets liegen verkohlt aneinander gekuschelt im klebrigen Löschwasser.

Momentaufnahme? Leider nein! Je länger die Wochenenden, umso brutaler schlägt “Mensch“ mit Ignoranz und Micro-IQ zu. Unterstellen wir “ihm“ keine Absicht! Dann stellt sich allerdings die Frage nach dem Warum? Hat es ihm keiner gezeigt, seinen Müll in einer Tüte in den 15m entfernten Papierkorb zu werfen? Sieht er darin einen stillen Protest gegen das Establishment? Sucht er nach einem Weg, die Arbeitslosigkeit abzubauen, indem er glaubt, die BSR stellt zusätzliche Mitarbeiter auf 1 Euro Basis ein, die unter dem Motto „Wir bringen das in Ordnung!“ jubelnd über die Wiesen tanzen und “seinen“ Dreck beseitigen?

Ignoranz scheint die Antwort zu sein. Anstandsregeln werden ignoriert – für ältere Menschen die Laptoptasche in der Bahn vom Sitz stellen – uncool?! Das Miteinander wird ignoriert – man parkt sein Auto, egal ob ein weiterer Wagen Platz gehabt hätte – scheißegal?! Rücksichtnahme wird ignoriert – da werden im Ruheraum der Sauna Geschäftsessen per Handy-Konferenzschaltung organisiert – very VIP?! Zivilcourage wird ignoriert – schön blöd, wer mit eingreift, wenn Mitbürger angepöbelt und verprügelt werden – mein Problem?! Die Umweltproblematik wird ignoriert – der Müll wird gleich an Ort und Stelle im Container im Park verbrannt – clever?!

Aber in einem Punkt sind sich dann wieder alle einig. Die Probleme, die den eigenen kleinen Mikrokosmos betreffen darf man nicht ignorieren. Da ist man sich dann schnell einig, wenn es darum geht sich Luft zu machen und in den Chor der Besserwisser einstimmt. Leider kommt am Ende nur unkonstruktiver Kritikausschuss raus, denn zum Positiven würde sich ja nur was ändern, wenn man nicht mehr so ignorant wäre und das wiederum hieße wiederum, selbst mit anzupacken.
Eine Frage des Alters? Ich weiß nicht – das ließe zumindest hoffen. Eine Frage des Intellekts? Glaub ich ehrlich gesagt nicht, denn das Publikum ist gemischt und viele scheinen unter der Woche an der Uni abzuhängen. Eine Frage der sozialen Stellung? Eher nicht, denn der norddeutsche Nachbar mit Boss-Anzug zündet sich die Kippe schon im Hausflur an und schmeißt sie dann aus dem S-Klassefenster. Nein, ich kann da auf die Schnelle keine Antwort geben. Auf der Seite des Bötzow-Viertels sah es jedenfalls nicht ganz so schlimm aus an diesem verschlafenen Morgen.
Aber wer bin ich schon, dass ich mich aufregen darf. Ein alter Icke, der mal zu Besuch ist und sich dann wieder in die Natur der Mecklenburger Seenplatte zurückzieht. Wie singen die Counting Crows in ihrer Coverversion von Mitchels “Big Yellow Taxi”? …
“Don’t it always seem to go that you don’t know what you got ’till it’s gone…!”.
Ist eben doch noch ein Stück von mir – dieses Berlin und so hole ich mein Plastetütchen aus der Tasche, sammel die Verdauungsrückstände meines Hundes ein, entsorge sie im nächsten Müllcontainer und ziehe weiter mit gutem Gewissen und den Counting Crows im Ohr.

Schwarz/Weiß und doch so schwierig bunt
Schade, dass es nur zwei Vorstellungen waren, die die Schüler der Fleesenseeschule Malchow gaben. Denn was sie auf der Bühne der Werleburg unter dem Titel “Aufbruchs – Zeit” darboten war sehenswert, macht stolz und schreit förmlich nach einer Forsetzung des Schule Plus – Projekts “Kommunikationsschulung”.
Mädchen und Jungen der 9. bis 12. Klasse setzten tanzend, singend, manchmal nur innehaltend oder einer inneren Stimme folgend um, was sie bewegt in ihrem Alltag. Schulstress, erste Liebe oder Zoff mit den Eltern waren Themen, mit denen man nicht nur verbal abrechnen oder schreiend auf das Recht der Jugend auf freie Entwicklung aufmerksam machen wollte.
Vielmehr blieb dem Publikum die Entscheidung, wie es auf all die Fragen antworten würde. Die Darsteller wollten kein Rezept geben für das Miteinander im Alltag, sondern machten uns bewusst, dass es eben schwarz und weiß gibt und dazwischen eine ganze Farbpalette, die es nicht nur den Jugendlichen schwer macht, Antworten auf die täglichen Fragen des Lebens zu finden, Entscheidungen zu treffen oder einfach nur zu verstehen, warum 1+1manchmal auch 3 sein kann.
Da merkt man den Jugendlichen ihre Zerrissenheit an, wenn sie im Gleichschritt quer über die Bühne rennen innehalten, um sich plötzlich in alle Richtungen zu zerstreuen und sich am Ende wieder sammeln. Dann fetzen sich Eltern, Kinder, Lehrer und Freunde in kurzen aber auf den Punkt gebrachten Dialogen, deren oft banal erscheinenden Erkenntisse an Wäschleinen aufgehängt werden. Natürlich wird das Meer von aufgehängten Postern, voll geschrieben mit den plakativen Sprüchen der Erwachsenen, in wilder Aufruhr wieder eingerissen, um plötzlich festzustellen, dass vielleicht doch die eine oder andere Wahrheit dahinter stehen könnte.
Der Ton macht die Musik und die Gelegenheit (sprich Situation) die Diebe, die all zu oft den jungen Menschen den entspannten Rundblick auf das Lebenswerte stehlen, sie verzweifeln und manchmal falsche Wege aus Trotz und Verdrossenheit beschreiten läßt. So sitzen sie erschöpft am Boden, um festzustellen, dass es das Leben nicht nur böse mit ihnen meint. Was also tun? Wie reagieren? Wem glauben? Wen verteufeln?
Schon hat das Stück zum Nachdenken angeregt, wenn ein Mitschüler in der Pause nickend den einen oder anderen Spruch zitiert und merkt, dass er damit nicht allein zurecht kommen muss. Aber es gibt auch Staunen, denn nicht alle sehen sich der ständigen Besserwisserei von Eltern und Lehrern ausgesetzt. Man diskutiert und begibt sich gespannt in den zweiten Akt.
Leider muss ich klären, ob die Schülerbusse etwas warten können, damit alle die Vorstellung bis zum Ende verfolgen können und verpasse somit gut 20 Minuten der zweiten „Halbzeit“. Aber pünktlich genug betrete ich den Saal, um schmunzelnd die jugendlich-schüchterne Annäherung im Mondschein mitzuerleben, die musikalisch erstklassig von einem Wet Wet Wet Cover untermalt wird.
Nachdem man sich auf einer Parkbank gefunden hat, sieht die Welt plötzlich nicht mehr ganz so trist aus und mit einem Feuerwerk an Optimismus, es ist an der Zeit aufzubrechen(!), rocken uns die Darsteller zurück in den Alltag. Der Vorhang fällt, die Jungs und Mädels sind schwer erleichtert, die Regisseurin Frau Susanne Reichhard und die Techniker sind zufrieden und das Publikum klatscht lange ehrlich-dankbaren Beifall für ein kleines aber feines Kulturevent in Malchow.
Während ich die letzten Fotos mache, hoffe ich, dass das Projekt im nächsten Jahr weiterläuft und genug neue Schüler die “Zeit zum neuen Aufbruch” nutzen, um die dann „Ehemaligen“, denen wir die Daumen für die letzten Abi-Prüfungen drücken, ersetzen.
Dry a Tear for the Dutch Soccer Team

Es gibt wirklich nichts mehr, worauf man sich verlassen kann! Wie ist es uns kalt den Rücken heruntergelaufen, als die Holländer die Italiener und Franzosen aus dem Fussballhimmel schossen. Endlich wieder einmal eine holländische Mannschaft, bei der es Spass machte, seine Chips vor dem Fernseher genüsslich zwischen den Zähnen zu cracken und mit einer Hopfenkaltschale nachzuspülen. Locker, kombinationssicher, intelligent und geprägt vom Willen, Tore zu schießen…schöne Tore. Was war davon gestern noch übrig geblieben? Was hatten die lustigen Mannen während der spielfreien Zeit getrieben? Hatte man ihnen etwas ins Frühstück gemischt oder heimlich den Tabak ausgetauscht? Ideenlos schlürfte man über den Platz und gab sich ab der 70en Minute auf. Pässe der Mittelfeldstrategen fanden den leeren Raum, Dribblings verselbständigten sich, Stürmer stiefelten in Zeitlupentempo auf das gegnerische Tor los und die Verteidiger luden zum Zielschiessen auf Edwin van der Sar ein. Verzweifelt wurde die Brechstange herausgeholt und als man dann doch noch die grosse Chance hatte, es am Tropf hängend ins Halbfinale zu schaffen, schien die Luft aus den orangenen Ballons gewichen zu sein. Aber zugegeben, die russischen Gegner machten es ihnen auch nicht leicht. Diszipliniert und mit einem der Jugend sonst eher fehlenden Willen spielten sie erstaunlich frisch auf und liessen den Holländern keine Chance, ihr bis dahin gewohnt präzisen Ballzauber wirkungsvoll umzusetzen. Sehen wir es von der positiven Seite. Nicht auszudenken, wenn Deutschland im Finale gegen Holland … nein den Gedanken denken wir lieber nicht weiter. Läuft es am Ende doch auf die kleine Revanche mit Italien hinaus? Vielleicht ist ja auf Spanien Verlass. Schliesslich kennen die sich ja aus mit Schaupielen in ihren Stierkampfarenen. Da sollten sie es mit den gegelten italienischen Schauspielschülern aufnehmen können. Und wenn nicht, können wir uns für die innereuropäische Schmuggelaktion des WM Pokals 2006 aus Deutschland nach Italien “rächen”. Allerdings wäre ein Stierkampf mit den Spaniern auch kein Zuckerschlecken. Wer läßt sich schon gern von der spanischen Fliege auf die Hörner nehmen? Und Russland? Was hätte das für Auswirkungen auf die Gaspreise, die Bundesliga und den Kurfürstendamm? Würde man uns bei einer Niederlage verzeihen oder müsste sich Schalke nach einem neuen Geldgeber umsehen? Wieviele Geschäfte der berliner Einkaufsmeile müssten schliessen, wenn der “Rubel” dort nicht mehr rollt?! Und wo könnte man dann als geouteter deutscher Tourist noch Urlaub machen auf diesem Planeten? Aber wie war es mit den Holländern? Worauf kann man sich beim Fussball noch verlassen?! Ich halte mich beim Tippen lieber etwas zurück…hoffentlich die Komentatoren von ARD und ZDF auch, denn die scheinen ja nach Wörtern pro Minute bezahlt zu werden und das schmerzt mehr, als das Ausscheiden der Holländer.
Jogis Jungs und Mutters Tafelsilber
Na aber wer sitzt denn da wie ein Trauerkloß vor der Mattscheibe?! Deutschland hat die Silbermedaille und wer hätte das gedacht nach den Spielen gegen Kroatien oder Österreich? Natürlich blitzen unsere Jungs kurz goldverdächtig gegen Polen und Portugal auf und zeigten, was möglich sein kann, wenn das Getriebe gut geschmiert ist und der Gegner in seiner Spielweise berechenbar ist.
Aber seien wir doch mal ehrlich, was soll denn dieser hochgeschraubte Leistungswahn? Warum zählt denn nur noch als akzeptiert, was gelblich glänzt und auf dem obersten Treppchen Platz nehmen darf?! Natürlich hätten wir erwartet, dass Jogis Mannen noch einen Zahn zulegen würden, zwischen der 49 und 65 Minute den Turbo reinschmeißen und mindestens den Ausgleich schaffen. Natürlich hätten wir uns besser gefühlt, wenn wir nicht so hätten zittern müssen, als die Spanier gekonnt durch unseren weit geöffneten Strafraum marschierten.
Nein, der „alte Mann“ hatte seinen Fußballschülern genau das Handwerkszeug mitgegeben, gegen das die deutsche Mannschaft kein Rezept hatte. Ein zweiter Platz im europäischen Fußballzirkus ist aber ohne Frage ein ehrenvoller Abgang. Da hätten auch die 80 Millionen „Bundestrainer auf Zeit“ nichts ändern können. Wir hatten drei aufregende Wochen zwischen himmelhoch jauchzend und zutiefst betrübt, zwischen dem Gefühl an der Tankstelle von unseren Politikern im Stich gelassen zu werden und einer Angie, die aus tiefster Seele Volksverbundenheit demonstrierte.
Nun heißt es wieder „back to business“, der Sommer zeigt sich von seiner besten Seite, die Politik kann beweisen, dass sie zu Recht von den Wählern auf das hohe Treppchen gewählt wurde, die Fußballer können wohl nur bedingt den Urlaub genießen, denn schließlich muss überlegt werden, welchen Millionenvertrag man unterschreibt.
Und ich? Ganz ehrlich? Ich putze Mutters Tafelsilber nach der EM Gans mit Klößen und Rotkohl und freue mich auf einen ganz entspannten DVD Abend. …Silber!!! Da haben die Jungs aber für 2010 die Latte hoch gelegt!!!!!!
Benefizabend für ein neues Klavier war ein voller Erfolg
„Klassisch marschiert AC/DC von Cheerleadern angeheizt durch tanzende Cowgirls zur Modenschau.“… So oder ähnlich könnte man das Programm der Fleesenseeschule am Freitag in der Werleburg in Malchow auf den Punkt bringen. Spannung lag im Saal, als gegen 16:00 die ersten Schüler und Lehrer erschienen, um in den verbleibenden drei Stunden einen Sound- und Lichtcheck zu machen und die Bühne auszugestalten. Die Deko war bald angebracht, Kevin Möller aus der 9. Klasse und Herr Böttger fuchsten sich schnell mit der Technik ein und die Abstimmung mit den einzelnen Beiträgen auf der Bühne klappte ausgezeichnet.
Gegen 18:30 trafen die ersten Gäste ein. Schnell musste man feststellen, dass es eng werden würde im Saal. Neben vielen Malchowern, Schülern und Eltern hatten auch ehemalige Schüler den Weg in die Werleburg gefunden, um “moralische“ Hilfe zu leisten… -immer wieder schön zu sehen! Als der Bürgermeister, Herr Stein eintraf, waren die Sitzmöglichkeiten bereits knapp und da der Besucherstrom nicht abzureißen schien, musste man zusätzliche Stühle in den Saal tragen. Die Spannung war auf dem Siedepunkt, die Fluchtwege eng – ein Alptraum für jeden Brandschutzbeauftragten.
Es war 19:08 als sich drei verschmitzte Jungen lässig an den Flügel setzten und mit ihren sechs Händen musikalisch für Aufmerksamkeit sorgten.
Der Saal verdunkelte sich, ein weißer Kegel richtete sich auf Frau Adel, die Musiklehrerin, und Jessica Holz aus der G9, welche auf der Bühne standen und den Benefizabend anmoderierten, als hätten sie in ihrem Leben nichts anderes getan.
Der Anfang des Programms gehörte den Schülern, die unter Beweis stellten, was sie an der Musikschule gelernt hatten. Es wurde klassisch auf Klavier, Violine, Cello und Gitarre, mal Solo mal im Duett musiziert. Es ist schon erstaunlich was man den jungen Menschen in der Malchower Musikschule beibringt und mit welcher Leidenschaft und scheinbaren Leichtigkeit diese Schüler das Publikum zu begeistern wussten.
Zwischen den einzelnen Beiträgen zeigte der „kleine“ und der „große“ Chor der Fleesenschule unter Leitung der Musiklehrerinnen Frau Adel und Frau Wilken, dass man an alte Traditionen anknüpfen will. Nachdem viele ehemalige Chormitglieder erfolgreich ihren Schulabschluss gemacht und Frau Kiepke die Schule gewechselt hatte, war es nicht einfach, die geschrumpften Chöre wieder zu beleben. Aber die Mühe hat sich gelohnt und wurde mit viel Beifall bedacht.
Das Engagement von Eltern zeigte sich beim Auftritt der Theatergruppe. Seit einigen Jahren betreut Frau Böttger unterstützt von ihrem Mann die „Kleinsten“ in einer AG der Schule. Sie hatten es nicht leicht, die „Jungschauspieler“ vor ihrem Auftritt vom Lampenfieber zu befreien, da sie noch bei der Probe mit der Akustik der Mikrofone zu kämpfen hatten.
Aber die Kids stecken das ganz cool weg, spielten ihren kleinen Sketch ganz locker durch und brachten mit ihren witzigen Dialogen das Publikum zum Lachen. Zu diesem Zeitpunkt, es war bereits 19:50, konnte man spüren, dass die anfängliche Spannung gewichen war, denn es lief alles „glatt über die Bühne“.
Und wer zu diesem Zeitpunkt noch nicht entspannt auf seinem Stuhl saß, dem sollten die Cheerleader etwas Groove in die Knie tanzen. Acht Mädchen betraten unter Hip Hop Klängen die Bühne und legten akrobatische Tanzkombinationen aufs Parkett, die sie unter Leitung von Juliane Henkel aus der 11. Klasse einstudiert hatten. Jede Figur wurde bejubelt und bei den Pyramiden hielten einige Zuschauer vor Erstaunen die Luft an. Aber es blieb amerikanisch „hot“. Nachdem die Cheerleader unter Jubelrufen die Bühne verlassen hatten, wurde es nicht weniger rhythmisch.
Die „Cowgirls“ der Line Dance Gruppe betraten die Bühne und zeigten, dass man Cowboystiefel nicht nur zum Reiten nutzen kann.
14 Schülerinnen, Mütter und Lehrerinnen verwandelten die Werleburg in einen „Wild West Saloon“, in dem unter dem Klatschen des Publikums die Luft zum Brennen gebracht wurde. Tanzende Formationen steppten leichtfüßig über die Bühne, Cowboyhüte flogen und beherzt schlug man sich auf die Oberschenkel.
An diesem Abend waren die Pfiffe aus dem Publikum eher dazu bestimmt, die Stimmung positiv anzuheizen. Dann wurde es wieder klassisch. Unter Leitung der Kunsterzieherin Frau Reiß hatten Jungen und Mädchen eine Modenschau vorbereitet, in der es darum ging, die „Vier Jahreszeiten“ auf den Laufsteg zu bringen.
Auch ohne eine Heidi Klum schafften es die jungen Models das Publikum mit ihren fantasievollen Kostümen zu verzaubern. Schneeköniginnen, Fliegenpilze, Halloweenhexen, Osterhasen und Frühblüher ließen für kurze Zeit das schmuddelige Novemberwetter vergessen und stimmten auf den von vielen schon erwarteten Auftritt von An Le Hoai und Stefan Donst aus der G11 ein.
Auf ihren Akustikgitarren stellten sie unter Beweis, dass Rockmusik nicht immer laut sein muss, obwohl sie das in den Bands, in denen sie sonst spielen gern tun. An diesem Abend interpretierten sie zwei Stücke von Nirvana und AC/DC mal unplugged und wurden wie die „Originale“ von ihren Fans gefeiert. Wäre es nach denen gegangen, hätten sie die Bühne nicht verlassen dürfen. Aber es war bereits 20:30 und Zeit für den letzten Höhepunkt.
Zackig marschierte der Spielmannszug auf die Bühne und beschloss mit lauten Trommelwirbeln, Trompeten und Querflöten den Benefizabend. Hier zeigte sich noch einmal eindrucksvoll, was intensives Üben und jahrelange Erfahrung, zu Perfektion bringen können. Vielleicht waren nicht alle Darbietungen an diesem Abend perfekt. Aber das war weder die Absicht der Organisatoren, noch die Erwartung der Gäste.
Gezeigt hat sich aber, dass es eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, öffentlichen Einrichtungen, Vereinen und Schule möglich macht, Talente von jungen Menschen zu fördern, die diese für einen guten Zweck und einen unterhaltsamen Abend gerne unter Beweis stellen wollten. Bleibt zu hoffen, dass der anfängliche Erfolg nicht ausbleibt.
Zu Beginn des Abends konnte sich Frau Adel bereits für 350 Euro Spendengelder auf dem Spendenkonto bedanken und auch nach der Veranstaltung zeigten sich die Gäste spendabel (es wurden an diesem Abend über 1280 Euro eingenommen). Ihnen, sowie allen anderen Spendern, der Stadt, den vielen Helfern und besonders den Mitwirkenden des Benefizabend möchten wir herzlich danken. Vielleicht können sie schon bald ein Konzert mit neuem Klavier in der Fleesenseeschule genießen.
Das Spendenkonto der Stadt Malchow ist noch bis zum 31.12.2008 geöffnet:
Kontonr.: 210015306
BLZ: 15050100
Zahlungsgrund: VV 33 Konto Fleesenseeschule Benefizabend























































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