Von biggipfel

Seit ich 2000 meinen Wohnort nach Malchow verlegt habe, begleiten Hunde meinen Alltag. Es mussten einige Jahre meine Biografie anreichern, bevor ich in der Lage war, mir den Kindheitstraum zu erfüllen, denn Tiere in der Wohnung waren eine traumatische Vorstellung für meine Eltern und die Nachbarn im engen Neubaublock in Berlin. Hier einige Erfahrungen aus dem Leben eines Hundehalters.

Alle meine Hunde habe ich aus dem Tierheim in Malchow geholt und habe nur positive Erfahrungen mit den Vierbeinern gemacht. Meine Schüler brachten mich übrigens auf die Idee, dort vorbeizuschauen und erstmal einen Hund zum Spazierengehen “auszuleihen”. Aus einem wurden drei (Melissa, Lord und Fritz), von denen zwei inzwischen schon im Tierhimmel sind. Ein Leben ohne Hund? Das ist wohl eine eher unrealistische Vorstellung.

Wie kommt man eigentlich auf den Hund?

Das ist wohl die erste Frage, die man sich stellen muss. Bei mir war es bedingt durch meinen Umzug, die Neugier auf die nähere Umgebung. Natürlich hätte ich mich auf mein Radel schwingen können oder zu Fuß stundenlang durch die Wälder und über die Felder schlurfen können.
Das tat ich anfangs auch. Aber eines Tages kam ich am Malchower Tierheim vorbei und traf einige Kinder aus meiner Schule, die mit kleinen Vierbeinern die Chaussee durch das „Industrieviertel“ entlang spazierten. Schnell kamen wir ins Gespräch und sie erzählten mir, dass es nicht ihre eigenen Hunde wären. Mit stolz erklärten sie mir, dass diese quirligen Mischlinge ihre Patenhunde seien. Interessiert folgte ich ihrem Vorschlag, einfach mal mitzukommen. Das war wohl wie das Probieren einer verbotenen Frucht, denn von diesem Tag an, wurde ich zum „Hunde-Menschen“.
Man stellte mich den Mitarbeiterinnen vor und ich durfte eine kleine Runde entlang der Zwinger drehen. Keiner, der jemals ein Tierheim betritt und diese armen Seelen hinter ihren Metallgittern sieht, wird behaupten können, dass ihn das nicht irgendwie gerührt hat. Nun gibt es natürlich eine geniale Möglichkeit, diesen armen Kreaturen etwas Gutes zu tun. Ich spreche nicht von Geld- oder Futterspenden. Die sind natürlich auch wichtig. Aber womit man den Hunden eine wirkliche Freude macht, ist Zeit mit ihnen außerhalb des kleinen Käfigs zu verbringen.
Da das Umfeld wenig Möglichkeiten bietet, die Hunde frei laufen zu lassen, die wenigen Verantwortlichen kaum die Zeit haben, jeden Hund wirklich artgerecht zu „bewegen“, helfen Tierfreunde diese Aufgabe zu übernehmen. Darunter verständlicherweise viele Kinder, deren Eltern, ähnlich meinen, keine Haustiere in den eigenen vier Wänden haben wollen.
Schnell einigte ich mich mit der Tierheimleiterin über einen Termin am nächsten Tag und mit gutem Gefühl trat ich mein Moutainbike nachhause.
Am nächsten Tag stand ich pünktlich zur offiziellen Öffnungszeit am Tierheimtor und nach einer kurzen Inspektion, wurde ich der Spazierpate einer braunen Hündin. Natürlich hatte ich insgeheim mit einem schwarzen Labradorrüden geliebäugelt, aber um den kümmerte sich bereits eine Schülerin aus der 10.Klasse. Ich bekam ein Halsband und eine Leine und nachdem alles an Melissa angebracht war und den Sicherheitsbestimmungen entsprach, war ich bereit für meine erste Erkundungstour zu zweit.
Etwas skeptisch wurde mein Auto beschnuppert und nach einigen hundert Metern, stellte ich fest, dass meine neue Begleiterin Autofahren nicht wirklich mochte. Dafür wusste ich aber, dass sie genug zu fressen bekam, denn ihr Mageninhalt verzierte meine Ladefläche. Gut, dass ich vorsorglich eine Matte eingelegt hatte. Das war also der Dank dafür, dass ich Melissa den tristen Gang entlang der betonierten Industriemeile ersparen und direkt in die Natur fahren wollte.
So hatte ich meine erste Lektion gelernt:
Nicht alle Hunde mögen das Autofahren so sehr wie ihre Herrchen.

Auch wenn Melissa das Auto in den nächsten Jahren immer auch mit dem Erlebnis Naturspaziergang verband, war es für sie immer eine Überwindung hineinzuspringen und die Anschaffung einer Plastikwanne für den Kofferraum hat sich bis heute gelohnt. Bei längeren Strecken hat es sich als praktisch erwiesen, ihren Korb mit einer Decke in den Kofferraum zu legen. Meist ist sie dann schon bei der Auffahrt auf die Autobahn eingenickert. Lediglich das Wiegen in den Kurven und der Stop&Go Verkehr der Großstadt machen ihrem Magen auch heute noch zu schaffen.
Die Nachmittage der nächsten zwei Jahre waren nun ausgeplant, denn zwischen 13:30 und 15:30 war Besuchszeit und wenn ich es möglich machen konnte, waren Melissa und ich in dieser Zeit in den Wäldern um Malchow unterwegs. Konnte ich mal nicht rechtzeitig frei machen, überkam mich aber jedes Mal ein beklemmendes Gefühl, wissend, wie Melissa wartend die Gitterstäbe zählend in ihrem Käfig auf und ab lief.
Dazu kamen verkürzte Öffnungszeiten an den Wochenenden. Wer will schon Sonntag Morgen um 8:00 auf der Matte stehen. Obwohl ich sagen muss, dass die Mitarbeiter des Tierheims sehr tolerant waren, was das „Gleiten“ der Besucherzeiten betrifft. So verbrachte Melissa nach Absprache mit der Tierheimleiterin immer öfter ihre Samstage und Sonntage bei mir. Sie gewöhnte sich sehr schnell daran, nach den Spaziergängen entspannt auf meiner Couch zu liegen und die Ruhe, die sie zwischen ihren bellenden Tierheimmitbewohnern nie kannte, zu genießen.
Ich lernte meine zweite Lektion:
Gib einmal den Weg auf die Couch frei und du verlierst deinen Lieblingsplatz an deinen Hund!

Zugegeben, es machte mir nicht viel aus, denn ich hatte Freude daran zu sehen, wie
Melissa ihre Zeit bei mir genoss und so teilten wir uns die Couch an gemütlichen Fernsehabenden. Aber man sollte sich darüber im Klaren sein, dass man selten rückgängig machen kann, wozu man einmal sein Einverständnis gegeben hat. Hunde versuchen ähnlich Kindern, sich Stück für Stück mehr Freiheit und Ansprüche zu ergaunern. Dazu kommen dann noch zwei dunkelbraune, treulieb blinzelnde Augen, denen man nichts absprechen mag. Aber Konsequenz wird sich auszahlen, auch wenn es schwer fällt, hart zu bleiben, denn einem Hund ungewollte Angewohnheiten abzugewöhnen, kostet viel mehr Nerven.

Aber auch das kann ein Vorteil sein, wenn man sich einen Hund aus dem Tierheim holt. Oftmals haben die Hunde bereits die Grunderziehung erhalten und kennen die Befehle, die für die Führung wichtig sind und zweitens erhält man Tipps und Hinweise zum richtigen Umgang mit seinem Vierbeiner durch die Mitarbeiter vor Ort.
Zumindest gab es bei den grundsätzlichen Verhaltensformen bei meinen drei Hunden keine größeren Probleme. Vielleicht hatte ich auch einfach nur Glück mit den Vorbesitzern, die ihnen schon viel beigebracht hatten. …

Zwei Schilder, die zur Schlammschlacht verleiten!?

Der Gymnasial-Lehrer A. Berg hat bereits drei Hunde adoptiert. Jetzt kommen Melissa (links.) und Fritz nur noch zu Besuch mit ihm ins Malchower Tierheim. Über 100 Tiere leben heute hier. 1997 wurde es als eine Tierauffangstation gegründet. FOTO: J, Wienß

Glaubt man denn ernsthaft, dass irgendjemand in Malchow daran interessiert ist, dass der Kurpark, der erst noch einer werden will (!), wirklich zu einem Hunde-”Bombodrom” verkommt? Aber kaum fertig gestellt, sorgen zwei Schilder, die den geliebten Vierbeinern (nur Hunden!) den Zutritt verbieten, für Ärger. Es ist offensichtlich, worum es der Stadt dabei geht: Nein; niemand (auch wir Hundebesitzer) tritt gern, in einen Hundehaufen. Geht es da, nicht eigentlich nur um eine Frage der gegenseitigen Rücksichtnahme?

Auch wenn das einstige „Niemandsland” die ideale Hundetoilette war, sollte man doch den Hundebesitzern zutrauen, darauf achten zu können, dass sich ihre Lieblinge ein neues “stilles Örtchen” suchen; was natürlich bei Gewohnheitstieren nicht so einfach ist. Aber angeleint dürfte das wohl kein Problem sein und so sehe ich das Verbot, mit meinen Hunden durch das “Kurpärkchen”? zu gehen, eher als Diskriminierung an.

Vielmehr stelle ich mir ernsthaft die Frage, ob die Schilder nicht etwa von den 80 Euro Hundesteuern, die ich der Stadt jährlich zukommen lasse, finanziert werden. Wenn ja, wäre das ein fatales Eigentor. Aber wenn es unbedingt Schilder sein müssen… warum dann nicht mit der Aufschrift: “Bitte haltet Malchow sauber!” Dann lesen das vielleicht auch die „Nichthundebesitzer”, die für die Scherben verantwortlich sind, die meinen Hunden im letzten Jahr arge Schnittwunden zugeführt haben und mich zusätzliche 47 Euro Arztgebühren kosteten.

Also Hundebesitzer und Ordnungsfanatiker lasst uns einfach gemeinsam ohne viel Bürokratie und Schilderwälder für Sauberkeit in Mecklenburgs „Seenperle” sorgen!!!

erschienen in der Leserpost “Hallo Nachbar” vom 19.01.2005

Nachtrag:

Die Schilder stehen noch. Die Gemüter haben sich nach heftigen öffentlichen Beschimpfungen etwas beruhigt. Der Kurpark ist ein Fleck Natur im Niemandsland, dass auf weitere Bauprojekte (neue Klinik?) wartet.

Die Leute, die Dobermänner als gefährliche Kampfhunde abtun, die Straßenseite wechseln und ein Hundehalter, der mir sogar eine Morddrohung nach einem kurzen “Gerangel” zwischen Fritz und seinem Hund machte, schlafen wieder ruhiger, denn…

23.08.2007 ein schwarzer Tag. Mein Dobermann Fritz wird eingeschläfert. Es war eine Entscheidung die gefällt werden musste. Ich hatte mich einige Zeit davor gedrückt, in der Hoffnung, dass die Medikamente seine Schmerzen lindern würden. Aber am Ende wollte ich ihn nicht mehr leiden lassen und ich musste mit schwerem Herzen die Fahrt zu Dr. Nietz in Waren antreten. Es dauerte nur eine kurze Zeit, bis Fritz nach einer Injektion für immer in meinen Händen einschlief. Bandscheibenvorfall und Wobbler Syndrom machtem ihm das Leben zur Hölle. Wasser lassen auf drei Beinen konnte er nicht mehr, die Pfoten ließ er nachschleifen und jede schnelle Nackenbewegung ließ ihn vor Schmerz aufheulen. Mit Tränen im Herzen schickten wir ihn an einer Stelle auf seine letzte Reise, an der wir mit Melissa und Merle oft spazieren waren.

Ich musste anschließend etwas Abstand gewinnen und fuhr nach Berlin. Ich kam natürlich am Bike Shop in Wandlitz vorbei. Da stand er immer noch der langgezogene Felt Cruiser. Wie oft war ich schon angehalten und ausgestiegen, um ihn zu umkreisen. Jetzt sollte er mir über meinen Schmerz helfen und so beschloß ich, ihn zum “Fritz Memory Cruiser” werden zu lassen. Gesagt – getan! Ich betrat zum ersten Mal nach all den “window shopper stopps” den Laden, handelte mit dem erbarmungslosen Inhaber den Preis noch etwas runter, bekam noch zwei Weißwandreifen dazu und fünf Minuten später lag das Fahrrad in meinem Kofferraum.

Wieder in Mecklenburg, ließ ich dann auf einer zweistündigen Seetour frische Luft durch meinen Kopf wehen, genoß die Natur und merkte, wie sich der Kloß in meinem Hals langsam lößte. Ob mir der Kauf des Bikes geholfen hat Fritz zu vergessen? Der Schmerz und die Trauer werden immer da sein, aber die Cruisertouren und die Bastelstunden haben mich für einige Zeit auf andere Gedanken gebracht und so sollte es auch sein. Vergessen werde ich den alten Buddy sowieso nie, denn schließlich cruised er seit einem Jahr in Gedanken immer auf seinem Fritz Memory Cruiser mit. Er war so ein toller Schmusedobi, der uns so oft zum Lachen gebracht hat, dass er seinen Platz im Hundehimmel gefunden hat, nachdem wir noch 3 tolle gemeinsame Jahre hatten.


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