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Apr
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Wer braucht die Navigation – die Erde ist doch keine Scheibe!

greece2007-08-04_Peloponnes

Will man Griechenland abseits der Touristenpfade erkunden, bieten einem die zahlreichen Autovermieter bereits am Flughafen die ganze Palette an Vehikeln, die man von den heimischen Straßen her kennt. Um schnell seine Schlüssel ausgehändigt zu bekommen, ist es von Vorteil, bereits in Deutschland sein Wunschgefährt zu buchen. Das ist auch deshalb ratsam, falls man doch einmal in eine Situation kommen sollte, in der einem nur noch eine Versicherung vor einem finanziellen Fiasko retten kann.


Ich muss gestehen, dass es einiger Aufenthalte bedurfte, um den Mut zu fassen, mich selbst hinter das Steuer zu setzen. Die erste und wichtigste Regel, die mir meine griechischen Freunde beibrachten, war beim Fahren immer ganz stur gerade aus zu sehen. Das gilt natürlich nicht beim Einparken!!! Aber es stimmt, da scheinbar alle Verkehrsteilnehmer zwischen Athen und Thessaloniki den starren Blick nach vorn gerichtet haben, erschleicht einen das sichere Gefühl, dass der Hintermann schon aufpasst, damit meinem Heck nichts passiert.Über die Jahre waren die Götter mit mir, ich trug also nicht zur erschreckenden Unfallstatistik bei. Besonders in den Bergen zeugen die am Straßenrand aufgestellten Panajias von den vielen tödlich Verunglückten. Hauptursachen sind allerdings das Fahren unter Alkoholeinfluss, technische Mängel an den Fahrzeugen und die Selbstüberschätzung. Ein Freund meinte mal etwas ironisch: “Gestern noch auf dem Esel geritten und heute mit dem Benz in den Straßengraben geglitten.“

greece2007-07-30_Panajia

Mir persönlich fiel aber über die Jahre auf, dass das Sicherheitsbewusstsein gerade der Zweiradfahrer zugenommen hat, die immer öfter mit Sturzhelmen anzutreffen sind. Das scheint ihnen aber besonders in Athen das Gefühl zu geben unsterblich zu sein und so kommt man sich gerade in den abendlichen Stunden vor wie bei den Dreharbeiten für eine Fortsetzung von „The Fast and the Furious“. Den griechischen Straßenbauern muss man allerdings ein Kompliment machen, denn was seit den Olympischen Spielen an Autobahnen und Fernstraßen ausgebaut wurde, kann sich qualitativ sehen lassen. Wer sich also für eine Reise per Leihwagen entscheidet, wird keine Probleme haben, die Reiseführersehenswürdigkeiten auf diese Weise zu erkunden. Regel Nummer Zwei meiner griechischen Freunde war: Vergewissere dich, ob du ein Ersatzrad im Kofferraum hast! Will man etwas abseits der Touristenpfade wandeln, kann es passieren, dass die eben noch vierspurig ausgebaute Fernverkehrsstraße in einen steinigen und von Schafen bevölkerten Feldweg mündet, dem nicht selten Reifen zum Opfer fallen. Je nach Gegend entschied ich mich besonders in den Bergen für etwas höher gelegte Allradfahrzeuge oder Mopeds.

greece2007-07-30_In Navpilon

Die dritte Regel, einen aktuellen Straßenatlas im Gepäck zu haben, verkürzte die Zeit, die ich bei der Suche nach Zielorten benötigte nur unwesentlich. Auch wenn die Verkehrsschilder größtenteils zweisprachig sind, versuche ich immer noch hinter das System ihrer so emsigen Aufsteller zu kommen. Nicht selten kommt man an eine T-Kreuzung an der das gewünschte Ziel über das Abbiegen in beide Richtungen zu erreichen ist. In etwas abgelegenen Gegenden versuchen einem Verkehrsgraffitis der Einheimischen den Weg zu weisen, was manchmal an einem idyllischen Strand oder einer Mülldeponie enden kann. Aber auf diese Art der Navigation erschlossen sich mir auch schon Orte, die trotz zugegebener Wutanfälle über die chaotischen Straßenführungen einzigartig und faszinierend waren und in keinem Reiseführer erwähnt werden. Und ist es nicht gerade dieser Reiz, der uns auch im Urlaub auf organisierte Bustrips verzichten lässt? Wenn ich dann auf der Motorhaube sitzend mit einem Glas Uoso den Sonnenuntergang auf mich wirken lasse, werde ich mir darüber bewusst, das die Griechen nun mal große Seefahrer waren, heute zu den mächtigsten Seereedern gehören. Sie haben anscheinend immer den heimatlichen Hafen wiedergefunden. Wenn die Erde also keine Scheibe ist, ist es doch egal, in welche Richtung man abbiegt…irgendwann kommt man an, wohin einen die Reise bringen will.

Mehr in: „Griechische Geschicht-chen“ von B. Tembridis unter www.blurb.com

greece2007-07-30_Blick von der Burg in Navplion

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